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Ein Vertipper geht auf Wanderschaft

Es ist ein harmloser Vertipper: Ein Redakteur in Eile, und schon steht da »Weeter« und nicht »Wetter«. Dumm nur, wenn einem das in einer Vorlage für eine Rubrik passiert, die von vielen wichtigen Online-Plattformen übernommen wird.

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Die Rede ist von der Nachrichtenagentur dpa und ihrem Wetterdienst, der von den Online-Ausgaben so renommierter Zeitungen und Zeitschriften wie ZEIT oder FOCUS übernommen wird. Da es bei der Benennung einer Rubrik, in der aktuelle Wetterprognosen nachzulesen sind, nicht sonderlich viel kreativen Freiraum gibt, entschied man sich bei der dpa für »Wetter« – und vertippte sich zu »Weeter«. So kam es, dass die Nutzer von ZEIT ONLINE immerhin 9 Tage lang in den Genuss des Tippfehlers kamen, während die »Weeter«-Meldungen bei ONLINE FOCUS weiterhin im Netz sind (18.04.11, 00:15 Uhr).

Ein zigfach vervielfältigter Fehler also, wenn man die Anzahl der Seitenaufrufe als Maßstab nimmt. Dennoch verwundert es bei näherem Hinsehen wenig, dass dergleichen weder den verantwortlichen Redakteuren noch den Lesern auffällt – es hängt mit unseren Erwartungshaltungen beim Lesen zusammen. Wer einen Wetterbericht aufruft, erwartet, dass die entsprechende Rubrik mit »Wetter« betitelt ist, und macht sich nicht die Mühe, das Wörtchen genauer anzusehen, geschweige denn, es tatsächlich zu lesen. Die Leserichtung geht direkt vom eigentlichen Titel – im Beispiel »Sonnig und trocken« – nach unten zum aktuellen Bericht. Was den Rubriktitel angeht, reicht es dann völlig aus, wenn dort ein Wort steht, das bei flüchtigem Blick wie »Wetter« aussieht …

Nachtrag, 18.04.11, 14:00 Uhr:
Mittlerweile hat dpa den Tippfehler offenbar korrigiert, auch bei FOCUS ONLINE steht jetzt »Wetter«.

Julian von Heyl am 18.04.11
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