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weil
Autor:Pumene
Datum: Mittwoch, 18.11.2020, 12:06
Antwort auf: Unterschied "weil" und "da" (Heidi H.)

> Hallo, ich habe heute mitbekommen, dass es wohl einen
> Unterschied zwischen "da" und "weil" gibt.
> So richtig habe ich es aber nicht verstanden. Bei
> "weil" sind wohl die Gründe bekannt, bei
> "da" nicht. Kann mir das vielleicht noch einmal jemand
> erklären, am besten mit einem Beispiel?

Das „weil“ kann außer der kausalen Bedeutung noch eine andere haben, vor allem, wenn es — standardsprachlich noch nicht anerkannt — wie ein anschließender Hauptsatz mit Verbzweitstellung verwendet wird. Man nennt das „epistemisches weil“.

https://www1.ids-mannheim.de/fileadmin/gra/texte/epistemisch.pdf

Epistemische Lesarten von Satzkonnektoren sind vor allem am Beispiel des so genannten epistemischen weil (weil mit V2-Komplement; vgl. Keller 1995) in die Diskussion gekommen:
(1) Martin ist nach Hause gegangen, weil er Kopfweh hatte.
(2) Martin ist nach Hause gegangen, weil er hatte Kopfweh.
Den Interpretationsunterschied zwischen (1) und (2) kann man mit Hilfe der folgenden Paraphrasen erläutern:
(1a) Martin ist nach Hause gegangen, und der Grund dafür war, dass er Kopfweh hatte.
(2a) Ich glaube, dass Martin nach Hause gegangen ist, und diese Annahme ergibt sich aus dem Wissen, dass er Kopfweh hatte.
(1a) entspricht einer nicht-epistemischen Deutung, (2a) entspricht einer epistemischen Deutung der weil-Verknüpfung (vgl. Sweetser 1990: 77, 102; Keller 1995; Blühdorn 2005). Beispiel (1) legt stark Interpretation (1a) nahe. Im Sinne von (2a) ist es nur interpretierbar, wenn dafür besondere kontextuelle Gründe vorliegen (z.B. getrennte prosodische Phrasierung der Teilsätze; s. Abschnitt 2). Beispiel (2) kann dagegen ohne weiteres im Sinne von (1a) und im Sinne von (2a) gedeutet werden. Weil mit V2-Komplement erlaubt also eine epistemische und eine nicht-epistemische Interpretation der Verknüpfung, während weil als Subjunktor eine nicht-epistemische Interpretation favorisiert.

Von „da“ ist mir so eine Möglichkeit der „epistemischen“ Verwendung nicht bekannt.

Gruß

Pumene

https://www.dwds.de/wb/weil

1.

auf der Begründung liegt besonderer Nachdruck
Grammatik: »weil« wird häufiger gebraucht als »da«
Beispiele:
wir können nicht kommen, weil der Vater krank ist
weil Mathematik dir schwerfällt, musst du besonders gut aufpassen
Grammatik: im Hauptsatz wird durch Wörter wie »darum«, »deshalb«, »deswegen« auf den Begründungssatz hingewiesen/»weil« ist nicht durch »da« ersetzbar
Beispiel:
wir konnten deshalb nicht kommen, weil der Vater krank ist

2.

Grammatik: leitet die Antwort auf eine direkte Frage nach dem Grund oder der Ursache ein
Grammatik: »weil« kann nicht durch »da« ersetzt werden
Beispiele:
»warum bist du gestern nicht gekommen?« »Weil ich krank war«
»weshalb bist du zu spät gekommen?« »Weil ich die Straßenbahn verpasst habe«

3.

auf der Begründung liegt kein, zumindest kein besonderer Nachdruck
a)
Grammatik: »weil« kann durch »da« ersetzt werden
Beispiele:
die Zeitung ging ein, weil die Auflage zu niedrig war
die Mutter bestrafte das Kind, weil es gelogen hatte
b)
es wird die Begründung eines anderen referiert
Grammatik: »weil« steht für üblicheres »da«
Beispiel:
er sagte mir, er könne nicht mitkommen, weil er keine Zeit habe
die Begründung wird als bekannt vorausgesetzt
Grammatik: im »weil«-Satz stehen Wörter wie »ja«, »doch«, »bekanntlich«
Beispiele:
von dieser kleinen Ungenauigkeit kann man absehen, weil ja das Ergebnis davon nicht beeinflusst wird
das Kabel ist mit Gummi isoliert, weil Gummi elektrischen Strom bekanntlich nicht leitet

(Zitatende dwds)

„weil“ hatte ursprünglich eine zeitliche Bedeutung (vergleiche „Weile“):

(nochmal dwds)

Etymologie
weil Konj. zur Angabe des Grundes, der Ursache. Die temporalen Fügungen ahd. thiu (h)wīla sō ‘so lange wie’, eigentlich ‘den Zeitraum als’ (11. Jh.), mhd. die wīle sō (auch al die wīle sō) ‘so lange wie, während’, mnd. de(r) wīle, al(le) de wīle, mnl. de wīle dat, aengl. þā hwīle þe enthalten den Akkusativ der Zeit des unter ↗Weile (s. d.) behandelten Substantivs. Im Dt. entwickelt sich durch Wegfall des satzanknüpfenden sō die Konjunktion mhd. die wīle ‘solange, während’, nhd. (all)dieweil und einfaches weil (seit 15. Jh.). Der vorerst weiter geläufige temporale Gebrauch tritt im 18. Jh. zurück. Heute herrschender kausaler Gebrauch kommt ebenfalls im Mhd. (14. Jh., erste Belege bei Tauler) auf in Sätzen, in denen die temporale Konjunktion zugleich begründende Funktion annimmt. Vgl. die ähnliche Entwicklung bei nl. wijl ‘da, weil’ und engl. while (nur temporal) ‘während’.

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