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Re: Samstagabend ohne "am"
Autor:Ivan Panchenko
Datum: Samstag, 21.11.2020, 18:34
Antwort auf: Re: Samstagabend ohne "am" (Veronika )

Man sagt »Ich komme Samstag«, aber nicht »Ich komme Abend«, daher ist es sinnvoll, »Ich komme Samstag Abend« statt »Ich komme Samstagabend« zu schreiben (analog zu heute Abend etc.). Dagegen ist »Ich komme am Samstagabend« grammatikalisch einwandfrei. Ebenso: in der Samstagnacht, aber am Samstag Nacht statt am Samstagnacht (Nacht ist nicht maskulin, sondern feminin). (Eigentlich wären auch am Samstag Abend und Samstag abends konstruierbar.)

Problem: Das amtliche Regelwerk kennt Samstagabend nur in Zusammenschreibung. Andererseits kennt es überhaupt kein Beispiel für Montag/Dienstag/… in der Bedeutung ‘am Montag/Dienstag/…’. Gemäß § 55 (6) gilt die Großschreibung auch »für Ausdrücke, die als Bezeichnung von Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen auftreten«, doch dass in der Aufzählung neulich (!), überübermorgen und vorvorgestern nicht auftauchen, ist ja wohl nicht der Intention geschuldet, diese Fälle anders zu behandeln, vielmehr wurde neulich einfach nicht in Betracht gezogen. Solange für den Fall auch nicht explizit etwas anderes festgeschrieben ist, würde ich mit Analogien argumentieren: Wenn heute Abend, dann auch neulich Abend. (Gut, man könnte mit § 56 für neulich abend plädieren, allerdings ist § 55 (6) nicht als Ausnahme davon formuliert, sondern offenbar will man hier kein Adverb sehen, drum bleibe ich bei neulich Abend.) Ähnlich sehe ich es bei »Ich komme Samstag Abend«.

Ickler (2001):

Völlig neu und sehr überraschend ist die Großschreibung bei heute Früh. Die Kritik hatte darauf hingewiesen, daß es widersinnig ist, in heute abend usw. die Tageszeit anders aufzufassen als in heute früh und daher groß zu schreiben. Diesem Einwand will der Duden nun offenbar zuvorkommen, indem er auch Früh als Substantiv deutet. Allerdings ist die Früh gar nicht durch ein eigenes Stichwort vertreten, sondern kommt nur idiomatisch gebunden unter die Frühe vor: in der Früh. Die Frühe wiederum kommt hier nicht in Betracht: heute Frühe gibt es nicht. Vielleicht erklärt sich daher, daß heute Früh nur fakultativ („auch“) möglich sein soll, anders als all die obligatorischen Großschreibungen der anderen Tageszeiten.

Dass bei früh auch Kleinschreibung angeboten wird, bei Abend dagegen nicht, ließe sich auch damit erklären, dass das kleingeschriebene abend vor der Reform auf die Verwendung mit einer Zeitangabe wie heute beschränkt war, dagegen gibt es früh klar als Adjektiv (»Ich komme [Dienstag] früh«).

Die Getrenntschreibung Dienstag Abend in Fällen wie »Wir treffen uns Dienstag Abend« entspricht der Auslegung im »Fragen und Antworten«-Bereich auf der Website des Rechtschreibrats und der des Zweifelsfälledudens, der Rechtschreibduden lässt dagegen mittlerweile sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung gelten (»die Preisverleihung findet [am] Dienstagabend statt, auch die Preisverleihung findet Dienstag [am] Abend statt«), dennoch findet sich dort »besonders österreichisch wir haben davon erst Dienstagfrüh erfahren, aber wir werden dich [am] Dienstag früh (zeitig) abholen« – es fehlen Dienstag früh und Dienstag Früh in der Bedeutung von Dienstagfrüh. Im Zweifelsfälleduden ist konsequenterweise vermerkt, dass früh als einem Wochentag nachgetragenes Adjektiv nur getrennt geschrieben wird (man beachte, dass Dienstagfrüh als in gesprochener Form erkennbares Substantiv gar nicht gebräuchlich ist, man sagt nicht in der Dienstagfrüh(e) statt [am] Dienstag früh), doch obwohl sich dort heute früh / Früh findet, fehlt Dienstag Früh mit Früh in Großschreibung. Das Österreichische Wörterbuch geht wiederum immer noch von Zusammenschreibung aus (ÖWB-Online zu Dienstagabend: »wir kommen schon [nächsten] D.«, ÖWB in einem Infokasten: »sich Dienstagfrüh treffen«). Dann auch 12-Uhr-Nacht statt 12 Uhr Nacht??

Ickler:

Die neue Deutung auf der Website des Rechtschreibrates, […], hat keine Grundlage im amtlichen Regelwerk und Wörterverzeichnis. […] Im Bericht des Rates von 2010 heißt es: "Bei Dienstagabend weisen die Korpora übereinstimmend eine Normentsprechung von >95% seit dem Jahr 2001 auf." Das kann sich ja nur auf den neuverordneten adverbialen Gebrauch beziehen, denn "der Dienstagabend" usw. wurde ja wohl schon immer zusammengeschrieben. […] Die Reformer haben, soviel ich weiß, an keiner Stelle klar gesagt, daß ihre Regeln jahrelang falsch verstanden oder später im Sinne meiner Reductio ad absurdum geändert worden sind.

Das überzeugt mich von der alten Deutung nicht. Soweit ich weiß, haben die Reformer auch der neuen Deutung nie widersprochen, und was die Korpusuntersuchung angeht, so konnte vor der Reform ja zum Beispiel auch am Dienstag abend geschrieben werden.

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Samstagabend ohne "am"
Veronika -- Dienstag, 2.10.2012, 15:39
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