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Der gratis SuperSnack für jeden ...

gratis.jpgAral wirbt auf Facebook dafür, dass man gratis einen SuperSnack erhält, wenn man »Fan« der PetitBistro-Seite in diesem sozialen Netzwerk wird. Dabei ist ein technischer Fehler aufgetreten, auf den prompt und inklusive eines netten Rechtschreibfehlers reagiert wurde.

»Wir freuen uns, dass die Aktion bei Euch so regen Zuspruch findet. Leider sind unsere Server zurzeit überlastet. Wir versuchen das Problem so schnell wie möglich zu lösen und bitte Euch bis dahin um etwas Geduld, falls der Ausdruck mal nicht klappen sollte.

Wir können Euch aber beruhigen, die Aktion läuft noch 2 Wochen ...und jeder bekommt seinen gratis SuperSnack. Versprochen!«

Hoffentlich, ich würde jedenfalls gerne einen kostenlosen SuperSnack probieren.

Aber: Gratis ist zwar ein Adjektiv – kann aber nur prädikativ oder adverbial stehen (und ist nicht deklinierbar). Also: »der SuperSnack ist gratis« oder »man erhält gratis einen Supersnack«. Ansonsten müsste es Gratis-SuperSnack heißen.

Hoffentlich ist das Warten nicht umsonst – auch für umsonst gilt übrigens das Gleiche: nicht deklinierbar, nur prädikativ oder adverbial. Ein umsonstes Warten und einen gratis (oder gratisen) SuperSnack gibt es nicht.

Übrigens: Mit Auslassungspunkten kann man bei Aral auch nicht umgehen.

Guten Appetit!

Ruwen Schwerin am 25.11.10
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Kommentare

1  Wolfgang Gärtner

Guten Tag,
die aktuelle Entwicklung und Möglichkeit zwei zusammengefügte Wortbestandteile wegen der verbesserten Lesbarkeit groß und zusammen zu schreiben (siehe SuperSnack, SportPsychologie, ... ) gehen Sie leider viel zu wenig ein. Wie würde so eine Schreibweise (z.B. SportPsychologie) zu bezeichnen sein?
Beste Grüße

Geschrieben von Wolfgang Gärtner am February 13, 2016 12:28 PM

2  Ruwen Schwerin

Großbuchstaben im Wortinnern (auch: Wortinneren), dann als Binnenmajuskeln oder Binnengroßbuchstaben bezeichnet, sind im Regelwerk der deutschen Rechtschreibung nicht vorgesehen. Sie werden jedoch in verschiedenen Bereichen verwendet, auch historisch gibt es Belege (insbesondere aus der Zeit vor der einheitlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung).

Wenn das generische Maskulinum (Bürger meint Bürgerinnen und Bürger) vermieden werden soll, ist die Großschreibung im Wortinnern in zusammenfassenden, geschlechterbezogenen Bezeichnungen anzutreffen. Die Gleichstellung von Frauen und Männern bezweckend und zur Vermeidung der doppelten (dann jedoch orthografisch zweifelsfrei richtigen) Nennung der Bezugsbegriffe (BürgerInnen statt Bürgerinnen und Bürger). Insbesondere bei unbestimmtem Bezug oder sich in Texten häufig wiederholenden Nennungen ist das Ziel durchaus nachvollziehbar; der Hintergrund dieses Unterfangens wird auch als Sparschreibung bezeichnet. Neben den vorgenannten beiden Varianten stehen solche wie

- Bürger / Bürgerinnen
- Bürger/-innen
- Bürger(innen), Kolleg(inn)en
- Bürger[innen], Kolleg[inn]en.

Diese finden zwar ebenfalls keine direkte Grundlage im amtlichen Regelwerk, werden aber durch sich auf das Regelwerk berufende Instanzen (z. B. Duden) bewertet und teilweise anerkannt.

Bei Eigennamen – etwa bei Firmen- oder Produktnamen – sind Binnenmajuskeln dagegen sehr verbreitet: WhatsApp, BahnCard, DeTeWe. Das Bedürfnis, sich an bewährte Regeln zu halten, tritt bei nicht generischen Bezeichnungen offenbar besonders in den Hintergrund.

Hinsichtlich der geschlechterneutralen Sparschreibung wird die Debatte über Binnenmajuskeln schon seit einiger Zeit erbittert geführt. Ich selbst lehne Binnenmajuskeln eher ab. Eine Ausnahme sind Abkürzungen, insbesondere im fachsprachlichen Kontext. Hier sind Binnenmajuskeln sinnvoll und etabliert. Als Beispiel seien die Rechtswissenschaften genannt, hier etwa die Abkürzungen für Gesetze, die beim häufigen Zitieren von Paragrafen in Fachtexten einiges an Aufwand ersparen, da man die Kurztitel nicht ausschreiben muss und sich gut lesbarer Kurzwörter bedienen kann: UStG, PBefG.

Die Einigung auf eine allgemein anerkannte Variante der zusammenfassenden Sparschreibung wäre auch im Kontext der geschlechterneutralen Sprache durchaus sinnvoll, etwa für Formulare oder Texte, die die sich häufig auf Begriffe in der weiblichen und männlichen Form beziehen müssen. Hintergrund des Ausbleibens einer Einigung dürfte (neben den emotionalen Gründen) sein, dass sich einige Probleme ergeben. Die meisten Varianten, etwa die mit Binnenmajuskeln oder Schrägstrichen, können Fälle nicht abbilden, bei denen die Endung oder Form des Maskulinums von der des Femininums abweicht: Referenten/-innen, Arzt/-in. Zudem werden bei abweichenden Artikeln, Pronomen oder Adjektiven weitergehende, stilistisch nicht unbedingt schöne Anpassung im Satz erforderlich: Jede/r Bürger/in hat das Recht auf Schutz seiner / ihrer Privatsphäre. In diesem Beispiel wechseln zudem die Bezüge der Bestandteile vor und nach den Schrägstrichen.

Die steigende Tendenz zur Großschreibung im Wortinnern empfinde ich als unschön und nutze Binnenmajuskeln im persönlichen Sprachgebrauch nicht. Auch bei Eigennamen nutze ich meist eine von der Eigenbezeichnung abweichende Schreibung (Whatsapp).

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Substantivkomposita wie Sportpsychologie werden zusammengeschrieben, ohne Binnenmajuskel. Ich sehe nicht nicht, weshalb man eine Binnenmajuskelschreibung in Betracht ziehen sollte. Zur Erreichung einer besseren Lesbarkeit, etwa bei Komposita mit mehreren Bestandteilen, steht die Bindestrichschreibung zur Verfügung. Mir ist auch keine Entwicklung in diese Richtung aufgefallen. Da ist es eher das Deppenleerzeichen, das mir Sorgen bereitet: Sport Psychologie. Aber ich weiß gerade nicht, welche Falschschreibungsvariante ich schlimmer finden sollte. Schlimm ist schlimm.

Herzliche Grüße
Ruwen Schwerin

Geschrieben von Ruwen Schwerin am February 13, 2016 9:25 PM

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