Sprachleben > Sprach|netz

Smileys müssen nicht lächerlich sein

smiley.jpgDie elektronische Kommunikation löst immer mehr die herkömmlichen Kommunikationsformen ab. E-Mails, SMS, Nachrichten über soziale Netzwerke und die Kommunikation über Chats und mit Messengern erfreuen sich großer Beliebtheit – und das nicht erst seit gestern. Im privaten Bereich sind dabei Emoticons, hautsächlich Smileys, sehr beliebt. Aber sollte man möglichst Abstand von den kleinen Gesichtern nehmen, wenn man nicht albern wirken möchte?

Eine einfache Antwort: nicht unbedingt!

Der private Bereich der Kommunikation entzog sich in Teilbereichen schon immer formellen Regeln, bzw. wurde von verschiedenen Altersgruppen und sozialen Schichten schon immer auf die eigene Weise geprägt. So verhält es sich auch mit der Verwendung von Smileys. Nicht nur Jugendliche verwenden sie heutzutage in E-Mails, Chats, sozialen Netzwerken und SMS oft und gerne und haben sie als ein besonderes Ausdrucksmittel entdeckt.

Wohl klar: In formellen und seriösen Schreiben haben sie nichts verloren. Was man nicht mit Worten ausdrücken kann, kann man durch eine pseudo-emotionale Zeichenkombination sicher nicht verbessern.

Wohl ebenfalls klar: Die übermäßige Verwendung von solchen »emotionalen Kürzeln« wird auch einen grundsätzlich für Neues Aufgeschlossenen eher stören als erfreuen. Anders mag sich das besonders bei Jugendlichen darstellen, die in Gegenseitigkeit eben so kommunizieren, wie es gerade »in« ist. Denn es unterliegt sicher nicht der Beurteilung eines Fremden, wie jemand anderes gerne im Privaten kommuniziert.

Aber sind Smileys deshalb auch für ansonsten eher herkömmlich Kommunizierende völlig überflüssig? Sind sie sogar lächerlich?

Ältere Semester werden hier sicher oft zustimmend nicken. Aber so ganz pauschal kann man diese Antwort sicher nicht geben und sollte vielleicht auch mal näher über Sinn und Unsinn dieser Schöpfung nachdenken.

Lange Zeit kam es für mich ebenfalls nicht infrage, in meiner privaten oder halbprivaten Kommunikation Smileys zu verwenden – mit der gelegentlichen Ausnahme, dass meine Freundin oder ein guter Freund sicher schon das ein oder andere Mal ein Gesicht in einer SMS von mir erblicken konnte. Doch mit der Zeit hat sich mein Denken diesbezüglich verändert.

Die Kommunikation wird, schneller, knapper und unmittelbarer.

Durch die Möglichkeiten, die die elektronische Kommunikation bietet, hat sich deren Gesicht entscheidend verändert. Wenn man früher einen Brief geschrieben hat, was für viele heutzutage sicher eine absolute Besonderheit ist, dann hat man sich in der Regel Zeit genommen und in Anbetracht der Postlaufzeit möglichst viel auf einmal abgehandelt. Heutzutage kann man schnell und direkt kommunizieren, was die einzelnen Abschnitte der Kommunikation (des Hin und Hers) oft knapper und spontaner ausfallen lässt.

Wenn ich auf eine E-Mail eines Bekannten reagiere, der mir einen Vorschlag macht, mir eine Frage stellt oder mir etwas mitteilt, dann kann es durchaus sein, dass ich schnell und unkompliziert reagieren möchte oder aufgrund von Zeitknappheit muss. Genau hier können Smiley Gold wert sein – und finden ihre Berechtigung darin, dass sie einer Aussage schnell und unkompliziert eine besondere Färbung verleihen könnte, die ansonsten nicht oder nur mit wesentlich mehr Aufwand einzubauen wäre.

Ein Beispiel:

Lieber Peter,
der Abend gestern war sehr lustig, wie in alten Zeiten. Ich habe mich unheimlich gefreut, Dich mal wiederzusehen. Selten habe ich in den letzten Jahren so viel gelacht. Mein Heimweg dagegen war eher unerfreulicher Natur, einige Male wäre ich fast im Graben gelandet.

Auf diesem Weg sende ich Dir schon mal einen schnellen, herzlichen Dank und würde mich sehr freuen, wenn Du mich bald mal mit einem Besuch in meiner neuen Wohnung beehrst.

Mit besten Grüßen
Ralf

Die Antwort:

Lieber Ralf, auch ich habe mich sehr gefreut, Dich wiederzusehen. Das müssen wir unbedingt ganz bald wiederholen – und klar komme ich das nächste Mal gerne bei Dir vorbei und schaue mir Deine neue Wohnung an.

Dass sich Dein Heimweg eher wackelig gestaltet hat, kann ich mir sehr gut vorstellen – wie damals schaffst Du es tatsächlich noch, an einem Abend fast zwei Flaschen Rotwein zu trinken. ;-)

Mit besten Grüßen und bis bald
Peter

Die Anspielung auf alte Zeiten, auf den übermäßigen Weinkonsum am Abend zuvor, bekommt durch das Nachstellen des Smileys eine besondere Färbung. Würde er wegfallen, könnte sie leicht anders verstanden werden oder müsste näher ausgeführt werden. In der vorliegenden Form handelt es sich dabei um einen kurzen, scherzhaften Einwurf, der seine beabsichtigte Wirkung sicher nicht verfehlt. Genau hier – und in anderen, vielleicht auch weniger privaten Bereichen – können Smileys bei der schnellen, unkomplizierten Kommunikation ganze Arbeit leisten. Sicher sollte man sie nicht inflationär verwenden, aber am richtigen Platz und in der richtigen Menge können sie das Geschriebene auflockern oder nach Wunsch relativieren oder bekräftigen.

Mein Fazit: Smileys sind nicht nur etwas für Kindsköpfe und pubertierende Teenager, sie können ein nettes, wertvolles Ausdrucksmittel bei der unkomplizierten, nicht formellen Kommunikation sein. Dabei ist natürlich zu beachten, dass ihre Verwendung, ihre Stellung und ihre Berechtigung im Einzelfall sicher genauso individuell sind, wie die schriftliche Kommunikation auch sonst. Wer sich also nicht ausdrücken kann, wer keine passenden Sätze zusammenbringt, der dürfte seine Kommunikation somit auch durch Smileys nicht bereichern können. Aber wer gekonnt kommuniziert, der sollte auch den Smileys vielleicht eine Chance geben.

Wünschenswert: Die Rechtschreibung sollte nicht leiden. Vor Smileys am Ende eines Satzes stehen selbstverständlich die regulären Satzzeichen und es folgt ein Leerzeichen.

Smileys dienen also sicher nicht als Rechtfertigung für eine nicht vorhandene Rechtschreibung – es sei denn, der Kommunikationspartner ist das bereits gewöhnt und wünscht oder erwartet es gar nicht anders. ;-)

Ruwen Schwerin am 09.11.10
Visits: 6631

Kommentare

1  mendax

Es hat sich offenbar ein Vertipper eingeschlichen: Im Abschnitt, der die Überschrift "Die Kommunikation wird, schneller, knapper und unmittelbarer." trägt, steht "der mir einen Vorschlag macht, mir eine Frage stellt oder mit etwas mitteilt, dann" ... ;-)

Geschrieben von mendax am February 23, 2013 10:50 PM

2  Ruwen Schwerin

Vielen Dank für den Hinweis, der Fehler wurde korrigiert!

Geschrieben von Ruwen Schwerin am March 26, 2013 8:38 PM

Schreiben Sie einen Kommmentar

Daten merken?   Ja   Nein

 Bei Antworten auf meinen Kommentar benachrichtigen