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aus aller Herren Länder

Kommen Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern, so nutzt man häufig die Redewendung »aus aller Herren Länder«, wobei das Genitivattribut »Herren« hier als »Herrschenden« zu lesen ist, also »Machthaber«. Es ist offensichtlich, dass die Wendung noch aus Zeiten stammt, in denen die Monarchie die vorherrschende Staatsform war.


Streng genommen – unsere Einleitung macht es schon deutlich – müsste es allerdings »aus aller Herren Ländern« heißen, da die Präposition »aus« den Dativ nach sich zieht: aus (den) Ländern aller Herren. Jedoch hat sich die endungslose Form »aus aller Herren Länder« bereits so eingebürgert, dass sie mittlerweile als richtig gilt, während die Form mit Dativ-n als veraltend gilt und nicht mehr empfohlen wird. In der Duden-Grammatik ist die Wendung unter der Randnummer 1533 explizit als Ausnahmefall aufgeführt.

Das Weglassen der Flexionsendung kommt aber auch in anderen Fällen vor, bei denen die Pluralform des Substantivs auf -er endet und zwischen Präposition und Substantiv ein Genitivattribut steht:

  • Man schimpft nicht mit Kindern anderer Eltern.
    → Man schimpft nicht mit anderer Eltern Kinder(n).
  • Er stand an den Gräbern seiner Vorfahren.
    → Er stand an seiner Vorfahren Gräber(n).
  • Das Licht spiegelte sich in den Fenstern der Häuser.
    → Das Licht spiegelte sich in der Häuser Fenster(n).

Doch zurück zu den Ländern der Herren: Während man hier das Dativ-n weglassen kann und auch sollte, ist die Genitivform »aller« zwingend geboten. Es muss also »aus aller Herren Länder(n)« heißen; falsch ist die oft zu sehende Schreibweise: »aus allen Herren Länder(n)«.

Julian von Heyl am 12.09.16

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