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Das Goldene Zeitalter – klein oder groß?

Als »Goldenes Zeitalter« bezeichnen wir eine Blütezeit oder Glanzzeit, zumeist bezogen auf kulturelle Leistungen, aber auch in Bezug auf technische Errungenschaften oder wirtschaftliche Aufschwungsphasen. So kann man vom Goldenen Zeitalter der Romantik ebenso sprechen wie vom Goldenen Zeitalter der Niederlande. Doch woher kommt der Begriff eigentlich, und wie schreibt man ihn?

Der griechischen – und später auch römischen – Mythologie nach war das Goldene Zeitalter der friedliche Urzustand der Menschen vor der Entstehung der Zivilisation, welche zu Neid und Missgunst und damit zu Verbrechen und Kriegen führte. Im – in vielerlei Hinsicht mit dem Garten Eden, dem biblischen Paradies, vergleichbaren – Goldenen Zeitalter, welches nach dem Gott Saturn auch Saturnisches Zeitalter hieß, drückte sich in fast allen Epochen die Sehnsucht des Menschen nach einem natürlichen, »unverdorbenen« Dasein aus.

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Lucas Cranach d. Ä.: Das Goldene Zeitalter, um 1530, Alte Pinakothek München

Orthografisch wurde »das Goldene Zeitalter« nach alter Rechtschreibung als namenähnliche Fügung angesehen und daher großgeschrieben. Die Rechtschreibreform differenzierte hier jedoch und sah lediglich für das Goldene Zeitalter im mythologischen Sinne die Großschreibung vor, während die Wendung »goldenes Zeitalter«, wenn sie sich allgemein auf eine Blüte- oder Hochzeit bezog, kleingeschrieben werden sollte.

Im Zuge der letzten Änderungen 2006 wurde diese Bedeutungsdifferenzierung allerdings wieder aufgehoben, da es auch wenig sinnvoll ist, eine metaphorische Verwendung durch eine andere Schreibweise zu markieren. Seitdem sind beide Schreibweisen gleichermaßen zugelassen, ganz gleich, ob man es im mythologischen oder im weiteren Sinne meint: Richtig ist also sowohl »das goldene Zeitalter« aus auch »das Goldene Zeitalter«. Sowohl der Duden als auch die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen empfehlen allerdings, wie in der alten Rechtschreibung in beiden Fällen die Großschreibung zu verwenden – eine Empfehlung, der wir uns gerne anschließen.

Julian von Heyl am 01.09.15
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