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einzelne der großen Parteien

Beim Adjektiv »einzeln« ist der Duden recht eindeutig: Die Substantivierung wird großgeschrieben, etwa in Wendungen wie: jeder Einzelne ist verantwortlich, bis ins Einzelne geregelt, ins Einzelne gehen, vom Einzelnen aufs Ganze schließen. Allerdings ist in Duden Band 9 (»Richtiges und gutes Deutsch«) auch Folgendes zu lesen:

Adjektivische und partizipiale Formen mit Artikel, die sich direkt auf ein vorangehendes oder nachstehendes Substantiv beziehen, schreibt man klein. Sie können als Attribut zu dem jeweiligen Substantiv angesehen werden: Alle Kinder fanden ihre Zuneigung; besonders aber liebte sie die aufgeweckten.

Dass die Abgrenzung, wann sich »einzelne« direkt auf ein Substantiv bezieht und folglich kleingeschrieben wird, nicht immer ganz einfach ist, war Gegenstand einer Frage an Herrn Dr. Scholze-Stubenrecht.

Frage:
Nur eine kurze Frage. Regelmäßig hadere ich mit Konstruktionen wie diesen hier:

... jede einzelne/Einzelne der großen Parteien ...
... ein einzelnes/Einzelnes von vielen Schicksalen ...
etc.

Groß- oder Kleinschreibung? Oder, anders gefragt, ist hier ein direkter adjektivischer Bezug (»die einzelne Partei« / »das einzelne Schicksal«) gegeben oder ist es eine Substantivierung, da ja der Singular (eben: das Einzelne) vom Plural abgegrenzt wird? Oder geht gar beides?
Julian von Heyl, korrekturen.de

Antwort:
Es ist sicher kein ganz einfacher Fall, aber die Mehrzahl der in unserem Dudenkorpus zu findenden vergleichbaren Texte bevorzugt die Kleinschreibung – etwa im Verhältnis 6 zu 1. Das wäre auch meine Empfehlung, weil die Einsatzprobe doch recht gut funktioniert: »jede einzelne Partei der großen Parteien«, »jedes einzelne Schicksal von vielen Schicksalen«. Ich will dabei nicht ausschließen, dass Ihre Interpretation möglich sein könnte, hätte aber meinerseits Schwierigkeiten, sie einem Zweifler plausibel zu machen. Bei anderen Adjektiven kommt man weniger ins Grübeln: »jede wählbare der großen Parteien«, »jedes vergessene von vielen Schicksalen« dürften recht eindeutig sein.
Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Dudenredaktion

Julian von Heyl am 09.01.10
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